Donald Brun – Ein Schweizer Meister der Gebrauchsgrafik

26.08.2026

Im MPS-Studio befindet sich ein kleiner Beitrag zur Schweizer Grafikgeschichte: Originalarbeiten des Schweizer Grafikers, Illustrators und Designers
Donald Brun (1909–1999). Seine Arbeit ist unmittelbar mit der Geschichte von SABA und damit auch mit dem Umfeld verbunden, aus dem später MPS Records hervorging. Hans Pfitzer, der frühere Werbeleiter bei MPS-Records, hat uns 3 Arbeiten von Donald Brun überlassen. Diese kann man heute bei Konzerten oder Führungen bestaunen, sie hängen im Aufenthaltsraum des historischen Tonstudios.

Zu den Arbeiten in unserem Bestand gehört das Original-Artwork für die 1966 bei SABA erschienene LP „New Call from France“ des Jef Gilson Nonet feat. Jean-Louis Chautemps. Das Album gehört heute zu den gesuchten Veröffentlichungen aus der frühen SABA-Jazzgeschichte. Das originale Gestaltungsmaterial befindet sich im MPS-Studio und macht die Verbindung zwischen Musikproduktion und zeitgenössischer Grafik unmittelbar erfahrbar.

Der Erwerb der LP wurde durch eine finanzielle Unterstützung der Volksbank Villingen-Schwenningen ermöglicht.

Links: Jef Gilson Nonet LP (1966) SABA 15081, Rechts: das originale Design von Donal Brun, das uns Hans Pfitzer hinterlassen hat. (Foto MPS-Studio e.V.)

Donald Brun – ein Vertreter der klassischen Schweizer Grafik

Donald Brun wurde am 30. Oktober 1909 in Basel geboren. Von 1927 bis 1930 absolvierte er bei Ernst Keiser eine Ausbildung zum Reklamezeichner. Anschließend setzte er seine Ausbildung in Berlin an der Akademie für Freie und Angewandte Kunst fort. Bereits 1928 gewann er einen Plakatwettbewerb der Stadt Basel. Ab den 1930er-Jahren entwickelte er sich zu einem der prägenden Schweizer Gebrauchsgrafiker seiner Generation.

Brun arbeitete vor allem als Plakatgestalter, war aber ebenso als Illustrator, Designer und Gestalter von Messeständen und Ausstellungen tätig. Seine Arbeiten entstanden für zahlreiche namhafte Unternehmen und Marken, darunter Persil, Gauloises, Bell, Bata, Nestlé, Sandoz, Swissair und Sabena.

1958 gestaltete er einen großen Pavillon für die Schweizer Beteiligung an der Weltausstellung in Brüssel.

Seine Arbeiten zeichnen sich durch eine präzise zeichnerische Technik, eine klare Bildidee und häufig auch durch einen feinen, manchmal ausgesprochen humorvollen Umgang mit dem jeweiligen Thema aus. Brun verstand Gebrauchsgrafik als visuelle Kommunikation: Ein Bild sollte eine Botschaft nicht nur dekorieren, sondern sie möglichst unmittelbar und einprägsam vermitteln.

Links: Saba – Musikalische Skizzen SABA 45112 (1959) mit u.a. Hans Koller Orchester. Rechts: Saba Sonorama 7″ (1961) mit der Grafik von Donald Brun.

Donald Brun und SABA

Eine besondere Bedeutung für das MPS-Studio hat Bruns Tätigkeit für SABA. Der Schweizer Grafiker gestaltete diverse Arbeiten für das Unternehmen. Dazu gehören unter anderem SABA-Kataloge und Werbemittel. Auf historischen SABA-Dokumenten findet sich seine charakteristische Bildsprache ebenso wie das für SABA entwickelte visuelle Umfeld.

Besonders bekannt ist das mit SABA verbundene Tannenmotiv, das zu einem prägenden Bestandteil der visuellen Identität des Unternehmens wurde. Die Verbindung von Schwarzwald, Technik und Musik war dabei nicht zufällig: SABA stand für technische Entwicklung und hochwertige Unterhaltungselektronik, zugleich war die Herkunft des Unternehmens aus dem Schwarzwald ein wesentlicher Bestandteil seiner Markenkommunikation.

Diese Verbindung von Technik, Musik und Gestaltung führt direkt in die Geschichte des MPS-Studios. Aus dem Musikbereich des Unternehmens SABA entwickelte sich unter Hans-Georg Brunner-Schwer Ende der 1960er-Jahre das Label MPS – Musik Produktion Schwarzwald. Die grafische Gestaltung der Veröffentlichungen wurde damit zu einem wichtigen Bestandteil der neuen musikalischen Identität.

Zwei weitere ungewöhnliche Arbeiten von Donald Brun aus dem Jahr 1963 im Besitz von MPS-Studio e.V.

Ein internationaler Netzwerker der Grafik

Donald Bruns Bedeutung beschränkte sich nicht auf seine eigenen Entwürfe. 1952 gehörte er gemeinsam mit Fritz Bühler und drei französischen Grafikern – Jean Colin, Jacques Nathan-Garamond und Jean Picart Le Doux – zu den Gründungsvätern der Alliance Graphique Internationale (AGI). Die Organisation wurde 1952 in Paris offiziell gegründet und umfasste zunächst 65 Mitglieder aus zehn Ländern.

Die AGI ist ein internationales Netzwerk führender Grafikdesigner. Ziel war es von Beginn an, den Austausch zwischen bedeutenden Gestaltern verschiedener Länder und Kulturen zu fördern und die Entwicklung der grafischen Gestaltung voranzutreiben. Bis heute versteht sich die AGI als internationale Vereinigung renommierter Designer und hat Mitglieder aus zahlreichen Ländern.

Brun übernahm später auch Verantwortung innerhalb der Organisation. In den 1970er-Jahren war er Vorsitzender der AGI und trug dazu bei, die Organisation institutionell weiterzuentwickeln.

Plakate aus der Feder von Donald Brun. Gauloises (1958), Printemps au Swiss (1945) und Toblerone (undatiert).

Lehrer und prägende Persönlichkeit der Basler Schule

Auch als Lehrer hatte Donald Brun großen Einfluss. Über viele Jahre unterrichtete er an der späteren Kunstgewerbeschule Basel und prägte dort zahlreiche junge Grafiker. Gemeinsam mit Gestaltern wie Niklaus Stöcklin, Herbert Leupin, Peter Birkhäuser und Fritz Bühler wird er zu den bedeutenden Vertretern der älteren Basler Schule gerechnet.

Seine Bedeutung wurde auch international anerkannt. 1964 wurde Brun zur documenta III in Kassel in die Abteilung Grafik eingeladen. Seine Arbeiten fanden Eingang in internationale Sammlungen und Ausstellungen. Die Swiss Graphic Design Foundation bewahrt Teile seines Nachlasses und beschreibt seine handwerkliche Beherrschung und illustrative Einfallskraft als wesentliche Merkmale seines Werkes.

Donald Brun blieb bis ins hohe Alter als Gestalter aktiv. Er starb am 15. August 1999 in Clarens bei Montreux.

Donald Brun Saba Werbegrafik, ca. 1960

Grafik und Musik – ein gemeinsames Erbe

Für das MPS-Studio ist Donald Brun heute vor allem deshalb von besonderem Interesse, weil sich in seinem Werk zwei Bereiche begegnen, die auch die Geschichte des Studios prägen: Musik und Gestaltung.

SABA war nicht nur ein Hersteller von Radiogeräten und Unterhaltungselektronik. Mit seinem Musikprogramm wurde das Unternehmen zu einem wichtigen Förderer und Produzenten von Jazzaufnahmen. Wenige Jahre später entstand daraus MPS (Musik Produktion Schwarzwald), eines der bedeutenden deutschen Jazzlabels seiner Zeit. Die Musik wurde dabei von Anfang an auch visuell gestaltet – durch Plakate, Kataloge, Schallplattencover und eine eigenständige grafische Sprache.

Heute bewahrt das MPS-Studio diese Arbeiten gemeinsam mit weiteren Dokumenten und Tonträgern aus der Geschichte von SABA und MPS. Sie erinnern daran, dass die Geschichte eines Musiklabels nicht allein aus Aufnahmen und Musikern besteht. Auch die Gestaltung, die eine Platte nach außen sichtbar macht, gehört zu ihrem kulturellen Erbe.

Donald Brun hat dafür ein bedeutendes Stück dieser Geschichte gestaltet.