History

Weit über 1000 Aufnahmen sind seit Beginn der 60er Jahre im MPS-Studio (zu Beginn noch SABA-Studio) entstanden. Der Gründer des Studios und Plattenlabels Hans-Georg Brunner-Schwer (HGBS), Mitbesitzer des bekannten Radio- und TV- Herstellers SABA (Schwarzwälder Apparate-Bau-Anstalt seit 1918 in Villingen), war selbst ein enthusiastischer Hobbypianist. 1944, als 17-Jähriger, wurde HGBS bei SABA aufgrund nächtlichem Luftalarm zum Warndienst dienstverpflichtet, da Villingen in der Einflugschneise der Flugzeuge lag, die über München Luftangriffe flogen. Den amerikanischen Piloten wurde über Funk Jazzmusik gespielt, die HGBS mit technischen Geräten von SABA anpeilte. So hörte er zum ersten Mal Glenn Miller “In The Mood”, “Moonlight Serenade” oder “Sentimental Journey” – und der Grundstein der Villinger Jazzgeschichte war gelegt. Mit dem Wirtschaftswunder kommt die große Nachfrage nach Rundfunkgeräten. SABA hat einen Wettbewerbsvorteil, die Qualität aus dem Schwarzwald ist bekannt und die Konkurrenz fürchtet Made In The Black Forest.

Bereits 1963 veröffentlicht HGBS Jazzaufnahmen (Tonband und Vinyl) auf seinem SABA-Label. Doch auch Klassik, Pop- und die gehobene Unterhaltungsmusik werden in den Räumen einer ehemaligen Nudelfabrik, nahe am SABA-Gelände und der Villa von HGBS, aufgenommen.

Viele berühmte Jazzmusiker sind hier zu Gast und es gibt exklusive Hauskonzerte in der privaten Villa von HGBS, die auch mit einem kleinen Studio ausgestattet wird. Duke Ellington oder Oscar Peterson und viele andere kommen in den Genuss von bald legendär guter Gastfreundschaft und exzellenten Tonaufnahmen.

Mit dem Verkauf der Firma SABA 1968 an General Telephone & Electronics (GTE) muss sich das Studio umbenennen: MPS! MPS steht für Musik Produktion Schwarzwald, später auch gerne liebevoll mit the Most Perfect Sound umschrieben.

Mit dem Label MPS wird die komplette Bandbreite des Jazz abgebildet, von Free- bis Pianojazz, von Akkordeonjazz, Big Band Jazz bis Vokaljazz – ein unglaubliches Repertoire an hochkarätigen Aufnahmen entstehen hier in der bis dato musikalisch unauffälligen süddeutschen Provinz.

Deutschsprachige wie europäische MusikerInnen veröffentlichen hier ihre Platten: Irène Schweizer, Wolfgang Dauner, Albert Mangelsdorff, Volker Kriegel, Jasper van’t Hof, Hans Koller, Peter Herbolzheimer, Joachim und Rolf Kühn, Friedrich Gulda wie aber auch zahlreiche Jazz Granden aus Übersee: Oscar Peterson, Bill Evans, Monty Alexander, George Duke, Clark Terry, Lee Konitz, Don Cherry, Sun Ra, Milt Buckner, Cecil Taylor, Dave Pike, Baden Powell, den Singers Unlimited und viele andere.

Die wichtigsten Produzenten neben HGBS sind Joachim-Ernst Berendt, der für MPS u.a. die Serie Jazz meets the World produziert und den Grundstein für das Genre Weltmusik legt. Im angestaubten Nachkriegsdeutschland leistet Berendt Pionierarbeit für den Jazz in Deutschland mit Büchern, TV- und Radiosendungen oder der künstlerischen Leitung der Festivals Berliner Jazztage, Donaueschinger Musiktage und Baden-Baden New Jazz Meeting. Zahlreiche Produktionen Berendts für SABA und MPS sind Meilensteine der deutschen Jazzgeschichte. Zweifelsohne hat Berendt das Repertoire des MPS-Labels entscheidend mitgeprägt.

Der Jazzmusiker, Komponist, Tonmeister und Musikproduzent Willi Fruth, bereits 1963 Produktionschef des Labels SABA, ist ab 1968 auch bei MPS in dieser Funktion für zahlreiche Produktionen verantwortlich.

Die Tonmeisterlegende Rolf Donner kommt aus Leipzig, wo er in der Nachbarschaft der Jazzlegenden Rolf und Joachim Kühn aufwuchs. Ursprünglich beim Südwestfunk Baden-Baden tätig wird er von HGBS eingeladen in Villingen das Tonstudio mit aufzubauen und trägt Verantwortung für zahlreiche legendäre Aufnahmen ab den 60er Jahren.

Die besondere Qualität der Aufnahmen ist dem Anspruch von HGBS und seinen Tonmeistern, Produzenten und Räumlichkeiten, aber auch der speziellen Atmosphäre geschuldet. Zeit und Geld spielt weniger eine Rolle. Oft wird bis tief in die Nacht gearbeitet und auch gerne gefeiert.

Oscar Peterson zu HGBS:

“Weißt Du, jetzt spiele ich nur für das Mikrofon und für dich und nicht in irgendeinem Studio, wo es heißt, Du hast zwei Stunden Zeit und dann musst Du mit der Aufnahme fertig sein und das Studio verlassen. Bei dir kann ich stundenlang spielen, solange ich will, bis es uns beiden gefällt.” (Buch Jazzin‘ The Black Forest / Crippled Library / 1999)

Nathan Davis:

We went to Villingen to do that recording date (Happy Girl). One thing I remember about that session was that we got paid even before we’d finished the music. That shocked me. It had never happened to me before! And during the break they asked us what we wanted to eat. Fried chicken, steak, whatever. And we got it. I said „What? Jazz musicians and being treated like this?” They got us everything we wanted. It was incredible.
(Buch Jazzin‘ The Black Forest / Crippled Library / 1999)

Dieter Reith über HGBS:

“Andere Persönlichkeiten seines Kalibers investierten ihr Geld in Yachten und Parties, er produzierte Jazz und half Musikern ihre musikalischen Träume zu verwirklichen. Er schuf damit einen einzigartigen Jazz-Katalog, der in der Welt seinesgleichen sucht.”
(Buch Jazzin‘ The Black Forest / Crippled Library / 1999)

Die Liebe, Faszination und Leidenschaft zur Musik sowie die Umsetzung im Studio hat Priorität für HGBS. So verwundert es nicht, dass manche Perle es nie zu einer größeren Auflage geschafft hat, obwohl genug Potential vorhanden war. Diese Platten werden heute zu hohen Preisen gehandelt.

Anfang der 80er Jahre verkauft HGBS seinen Katalog an die Polygram und produziert noch viele Jahre unter dem Label HGBS weiter. Im Jahre 2004 stirbt Hans-Georg Brunner-Schwer bei einem Verkehrsunfall unweit seiner Wirkungsstätte.

RON MINIS TRIO LIVE

Highlight am 17.3.2023. Trio aus Tel Aviv begeistert Publikum. Foto ©Ofir Abe

Neue Website für Das MPS Studio

Wir freuen uns Ihnen die neue Website für das MPS Studio zu präsentieren. Hier erfahren Sie alles zum Studio, zu den Veranstaltungen und zum Verein. Für die Zukunft...

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